Aus tiefster Überzeugung

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war die komplette Verwertung eines Tieres nach der Schlachtung aktiv gelebte Wirklichkeit. Nicht unter dem modernen, trendigen Label des „nose-to-tail“ Konzeptes, sondern vielmehr aus der Vernunft und Wirtschaftlichkeit heraus. Unsere Vorfahren konnten es sich schlichtweg nicht leisten, ein Tier zu töten, nur um sich dann die besten Stücke herauszupicken – und den grossen Rest zu entsorgen.

In der modernen, industriellen Schlachtung wird zwar ebenfalls das komplette Tier verwertet – allerdings landet nur ein geringer Teil auf unseren Tellern. Vielmehr werden grosse Anteile des Schlachtkörpers für andere Industrien weiterverarbeitet – und landet beispielsweise als Tierfutter in den Näpfen unserer Haustiere. Häufig werden auch tierische Überreste – gerade in der Schweinezucht – wieder als Futter verwendet. Wir mästen unsere Schweine also mit den sterblichen Überresten ihrer Artgenossen. Ein perverses System sondergleichen.

In den letzten Jahren ging der Trend immer mehr zur sogenannten Nose-to-Tail Verwendung von Schlachttieren. Kerngedanke dieser Bewegung ist es, wieder zurückzukehren zu einer ganzheitlichen und damit vollständigen Verwertung von Schlachttieren für die menschliche Ernährung. Ein durchaus sinnvolles Handeln – was vom Bund mit Millionen gefördert wurde. Das Resultat der Förderung ist leider alles andere als optimal. Unter dem Deckmantel eines vermeintlich ganzheitlichen Umgangs mit Fleisch und Fleischprodukten werden den Verbrauchern in den Supermärkten B und C Cuts angeboten – also nicht viel mehr als vorher, das aber dafür zu deutlich höheren Preisen. Unter dem Label des „Special Cuts“ wird beispielsweise Flank zum Preis eines Filets angeboten – der Verbraucher zahlt drauf, die Industrie freut sich. Und was mit dem Rest des Tieres, der nicht im Supermarkt überteuert angeboten wird, geschieht, weiss eigentlich keiner so genau.

Share at Lifetime statt Nose to Tail
Mit “Share at Lifetime” wird ein völlig anderes Konzept verfolgt. Hier steht nicht die Industrie und deren Gewinnmarge im Mittelpunkt. Vielmehr will die Share at Lifetime Bewegung Tieren ein gutes Leben verschaffen, dem Bauern ein angemessenes Einkommen gewährleisten und dem Metzger sein Handwerk sichern. Das Ziel der Bewegung: Ein nachhaltiger und bewusster Fleischkonsum, der das Tier, den Bauern und das Handwerk unterstützt – und dessen Erfolg nicht so einfach von der Industrie kopiert werden kann.

Wie funktioniert Share at Lifetime?
Beim Share at Lifetime wird das Tier beziehungsweise dessen Einzelteile bereits vor der Schlachtung zum Verkauf angeboten. Interessenten haben so die Möglichkeit, sich ganz exakt die Teile vorzubestellen, die wirklich gewünscht und benötigt werden. Verbraucher werden durch Share at Lifetime dazu gebracht, sich näher mit dem Tier zu beschäftigen, was später als Steak, Kotelett oder Filet auf dem Teller landen wird. Ziel soll sein, ein Stück Fleisch zu essen, zu dem man einen Bezug hat! Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauer, Metzger und Endverbraucher ist dabei ein Alleinstellungsmerkmal der Bewegung. Der bewusste Konsum soll Bauern und das Handwerk unterstützen und nicht zuletzt für mehr Tierwohl sorgen. Denn eines ist uns allen leider viel zu selten bewusst: Unser Fleisch auf dem Teller war mal ein lebendiges Tier. Und das Minimum an Respekt, was wir einem Lebewesen zuteilwerden lassen sollten, ist die Komplettverwertung als Lebensmittel.